21. July 2026

Deutschland plant ein Menthol-Verbot für Vapes — Was bisher bekannt ist

von Michael Chan

Wer Menthol vapet — oder irgendetwas mit diesem kühlen, frischen Finish — hat davon wahrscheinlich schon gehört.

Deutschland hat einen Vorschlag auf dem Tisch, der eine bestimmte Liste von Aromatisierungs- und Kühlstoffen in E-Liquids verbieten würde. Menthol steht in den Schlagzeilen, aber der tatsächliche Umfang geht weiter. Synthetische Kühlstoffe und Süßungsmittel, die in Frucht-, Getränke- und Mischsorten verwendet werden, stehen ebenfalls auf der Liste — weshalb die Debatte weit über die Menthol-Vaping-Community hinausgegangen ist.

Noch ist nichts beschlossen. Menthol-Vaping ist in Deutschland weiterhin legal. Aber angesichts des breiten Umfangs des Vorschlags lohnt es sich zu verstehen, was hier eigentlich diskutiert wird.


Inhaltsverzeichnis

  • Was plant Deutschland?
  • Warum stehen Menthol und Kühlstoffe unter Prüfung?
  • Warum wird der Vorschlag debattiert?
  • Wie verhält sich das zum Menthol-Zigaretten-Verbot?
  • Was könnte das für Vaper bedeuten?
  • Was passiert als Nächstes?
  • Fazit
  • Häufige Fragen

Was plant Deutschland?

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat will die Tabakerzeugnisverordnung ändern. Auf der Liste: 13 Aromatisierungs-, Süßungs- und Kühlstoffe — Menthol, Sucralose und die synthetischen Kühlstoffe hinter dem eisigen Ausatmen, das viele E-Liquids ausmacht.

Kühlstoffe sind aber nicht nur in Menthol-Produkten zu finden. Sie tauchen in Fruchtaromen, Getränke-Blends und gemischten Profilen auf — oft in Mengen, die man kaum bemerkt, aber ausreichend, um den Dampf zu glätten. Deshalb sprechen viele Branchenstimmen nicht von einem Menthol-Verbot. Sie nennen es etwas, das den Großteil der aromatisierten E-Liquids auf dem deutschen Markt faktisch ausradieren würde.

Falls es verabschiedet wird, wäre 2026 der früheste Zeitpunkt.


Warum stehen Menthol und Kühlstoffe unter Prüfung?

Das BfR — Bundesinstitut für Risikobewertung — liefert die wissenschaftliche Grundlage. Ihr Argument: Kühlstoffe unterdrücken Husten, mildern die Schärfe von Nikotin und machen das Inhalieren des Dampfes einfacher. Die Sorge ist, dass dies die natürlichen Körperreaktionen maskiert und Nikotinprodukte für jüngere oder neue Nutzer attraktiver macht.

Das Bundesministerium setzt darauf. Ihre Position: Potenzielle Risiken reichen aus, um zu handeln — auch ohne solide Beweise.

Das Unangenehme dabei: Der Referentenentwurf selbst beschreibt diese Kühlstoffe als „wenig erforscht" und die verfügbaren Daten als „sehr begrenzt." Die Maßnahme ist also stärker als die Beweise dahinter. Das ist einer der Hauptgründe, warum dieser Vorschlag weiterhin angefochten wird.


Warum wird der Vorschlag debattiert?

Niemand bestreitet, dass Jugendliche nicht vapen sollten. Das steht nicht zur Debatte.

Was hinterfragt wird, ist ob dieser Vorschlag tatsächlich das erreicht, was er vorgibt — und ein paar Punkte tauchen dabei immer wieder auf.

Die aktuelle Position des BfR widerspricht seiner eigenen früheren Arbeit. Noch vor nicht allzu langer Zeit besagte die eigene Forschung des Instituts, dass Menthol in E-Zigaretten ganz anders wirkt als in Tabakzigaretten — weil es keine Rauchirritationen gibt, die maskiert werden müssten. Diese Position hat sich geändert. Keine neue Forschung, keine Erklärung. Branchenverbände haben schriftlich nachgefragt. Noch immer keine Antwort.

Auch Deutschlands eigene Zahlen stützen die Krisendarstellung nicht wirklich. Die DEBRA-Studie zeigt, dass der E-Zigarettenkonsum bei 14- bis 17-Jährigen 2024 stabil bei rund 2,3 % lag — während das Rauchen von Zigaretten in derselben Altersgruppe tatsächlich gestiegen ist, von 12,1 % im Jahr 2016 auf 14,9 % im Jahr 2024. Das entspricht nicht dem Bild einer Jugend-Vaping-Krise, von dem der Vorschlag offenbar ausgeht.

San Franciscos Erfahrung liefert eine weitere Perspektive. Eine im Fachjournal JAMA Pediatrics veröffentlichte Studie der Yale School of Public Health fand heraus, dass sich nach dem Aroma-Verbot der Stadt die Wahrscheinlichkeit, dass Highschool-Schüler zu klassischen Zigaretten greifen, im Vergleich zu Bezirken ohne ein solches Verbot etwa verdoppelte. Erwähnenswert ist allerdings, dass einige Forscher die Methodik dieser Studie inzwischen infrage gestellt haben — der Befund ist also nicht unumstritten, gehört aber trotzdem zu den meistzitierten Datenpunkten dazu, was passiert, wenn Aromen verschwinden.

Für viele ehemalige Raucher war Menthol keine bloße Geschmackspräferenz. Es war der Grund, warum der Abschied von Zigaretten tatsächlich funktioniert hat.


Wie verhält sich das zum Menthol-Zigaretten-Verbot?

Deutschland hat Menthol-Zigaretten 2020 im Rahmen der EU-weiten Einführung verboten. Gleiche Logik: Menthol macht Nikotinprodukte glatter, also entfernt man es.

Was danach passierte, ist hier relevant. Menthol-Raucher hören nicht einfach auf — Daten zeigen, dass sie beim Wechsel zum Vapen sehr wahrscheinlich nach derselben Erfahrung suchen. Für viele waren Menthol-E-Liquids diese Brücke. Kein nettes Extra — der eigentliche Grund, warum das Aufhören mit Zigaretten funktioniert hat.

Dieser Vorschlag geht weiter als 2020. Das damalige Verbot betraf speziell Menthol-Zigaretten. Dieses würde Produkte erfassen, die nicht einmal als Menthol gekennzeichnet sind, weil Kühlstoffe so weit verbreitet in der ganzen Kategorie eingesetzt werden.

Für ehemalige Raucher, die wegen Menthol-E-Liquids gewechselt haben, ist das kein kleiner Unterschied.


Was könnte das für Vaper bedeuten?

Im Moment hat sich nichts verändert. Menthol-Vaping ist in Deutschland legal und bleibt es, bis tatsächlich etwas verabschiedet wird.

Falls der Vorschlag in seiner jetzigen Form durchgeht, müssten E-Liquids mit Menthol, Sucralose oder einem der aufgelisteten Kühlstoffe reformuliert oder vom deutschen Markt genommen werden. Die genaue Reichweite hängt vom endgültigen Wortlaut ab — aber da diese Zutaten in so vielen Frucht- und Getränkeprofilen vorkommen, würde die Auswirkung weit über alles hinausgehen, was einfach als „Menthol" gekennzeichnet ist.

Einiges läuft parallel dazu. Ein separater Vorschlag zum Verbot von Einweg-Vapes ist noch in Bearbeitung, angetrieben durch Batteriemüll und Umweltbedenken. Nikotin ist bereits auf 20 mg/ml nach EU-Regeln begrenzt. Und die E-Liquid-Verbrauchsteuer hat im Januar 2026 0,32 € pro Milliliter erreicht — das sind 3,20 € extra auf jede Standard-10-ml-Flasche.


Was passiert als Nächstes?

Der Vorschlag muss noch durch die EU-Notifizierung, die eine Pflichtprüfungsfrist beinhaltet. Keine Einwände, er geht weiter — und nach der Veröffentlichung gibt es ein sechsmonatiges Fenster, bevor sich tatsächlich etwas ändert.

Der Bundesrat hat 2017 einen ähnlichen Vorschlag abgelehnt und stattdessen ein Mengenlimit gefordert. Ob er diesmal dasselbe tut, ist noch offen. Was auf europäischer Ebene aus TPD3 herauskommt, wird ebenfalls eine Rolle spielen.

Noch ist nichts entschieden. Die Wissenschaft wird angefochten, der Umfang wird bestritten, und der Prozess hat noch einen weiten Weg vor sich.


Fazit

Das hier ist keine reine Menthol-Geschichte. Es geht um eine breite Palette von Zutaten, die in einem Großteil der aromatisierten E-Liquids auf dem deutschen Markt verwendet werden — und eine Debatte, die noch lange nicht abgeschlossen ist.

Die Beweise sind umstritten. Das Ergebnis ist nicht klar. Es lohnt sich, das im Blick zu behalten.


Häufige Fragen

  1. Ist Menthol-Vaping in Deutschland gerade legal? 

    Ja — noch hat sich nichts geändert. Der Vorschlag ist noch ein Entwurf und wurde nicht in Kraft gesetzt.

  2. Was würde tatsächlich verboten? 

    Menthol, Sucralose und 13 synthetische Kühlstoffe. Die Sache ist: Diese Zutaten tauchen in viel mehr als nur Menthol-Produkten auf — Frucht-Blends, Getränkearomen, gemischte Profile. Die Auswirkungen wären wahrscheinlich viel breiter als das Label vermuten lässt.

  3. Wann könnte das passieren? 

    Frühestens 2026, falls es verabschiedet wird. Danach gibt es noch eine sechsmonatige Übergangsfrist.

  4. Betrifft das auch Vape-Geräte? 

    Nein — nur E-Liquid-Inhaltsstoffe. Geräte sind nicht betroffen. Aber jedes Liquid mit den verbotenen Stoffen müsste reformuliert oder aus dem Verkauf genommen werden.

  5. Ist das dasselbe wie das Einweg-Vape-Verbot? 

Nein — komplett getrennte Vorschläge. Das Einweg-Verbot dreht sich um Batteriemüll und Umweltbedenken. Dieser hier betrifft E-Liquid-Inhaltsstoffe und ist im Rahmen von Gesundheits- und Jugendschutz formuliert.

 

Referenzen

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). (2026, 23. Januar). Stellungnahme Nr. 003/2026: E-Zigaretten-Kühlstoffe können gesundheitliche Risiken bergen

    https://www.bfr.bund.de/stellungnahme/e-zigaretten-kuehlstoffe-koennen-gesundheitliche-risiken-bergen/

  2. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). (2024, 4. Dezember). Mitteilung Nr. 55/2024: Aromastoffe in E-Zigaretten – Aktualisierte Bewertung von Safrol, Sucralose und Menthol

    https://www.bfr.bund.de/assets/01_Ver%C3%B6ffentlichungen/Mitteilungen_deutsch/aromastoffe-in-e-zigaretten-aktualisierte-bewertung-von-safrol-sucralose-und-menthol.pdf

  3. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). (o. J.). Rechtliche Rahmenbedingungen für Tabakerzeugnisse in Deutschland

    https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/03_Verbraucherprodukte/03_AntragstellerUnternehmen/08_Rechtsvorschriften/04_Tabakerzeugnisse/bgs_tabakerzeugnisse_rechtliche_grundlagen_node.html

  4. Tagesschau. (2026, Juni). Suchtbeauftragter Streeck fordert Verbot von süßen Aromen in E-Zigaretten

    https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/suchtbeauftragter-streeck-100.html

  5. Clearing the Air. (2026, März). Germany Plans Menthol Vape Ban Under Draft Cooling Agents Rule.

    https://clearingtheair.eu/en/post/germany-plans-menthol-vape-ban-under-draft-cooling-agents-rule/

  6. DIFA (DEBRA Study). (2024). German Study on Tobacco Use: Continuous monitoring of smoking and vaping behaviour in Germany.

    https://www.debra-studie.de/ergebnisse/

  7. Friedman, A. S. (2021). Association of San Francisco’s Prohibition of Sale of Flavored Tobacco Products With Smoking Among Youth. JAMA Pediatrics. 

    https://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/fullarticle/2775685

  8. ECigIntelligence. (2026, März). Germany: E-Cigarette Regulation, March 2026

https://ecigintelligence.com/germany-e-cigarette-regulation-march-2026/